1200 Jahre Michaelskirche

Einladung zum Studientag nach Fulda oder in den virtuellen Raum

Bei unserer letzten Jahrestagung zum 1200jährigen Jubiläum der Fuldaer Michaelskirche wurde die Frage der Anastasis-Rotunde in der Michaelskirche angesprochen, allerdings nicht ausführlich behandelt.

Aufgrund der starken Nachfrage werden wir dieses Thema im Rahmen folgender Veranstaltung in Kooperation mit dem örtlichen Geschichtsverein aufgreifen:

Memoria und imitatio: Die Michaelskirche als Gedächtnisort und ihre Bezüge zur Jerusalemer Anastasis-Rotunde.  

Mit Beiträgen von Ottfried Ellger (Münster), Gereon Becht-Jördens (Heidelberg), Christine Kenner (Wiesbaden), P. Nikodemus Schnabel, OSB (Jerusalem) und Winfried Weber (Trier).

Die Veranstaltung findet in Fulda im Kanzlerpalais am 6. Oktober 2022 von 18-20:30 Uhr statt.

Die Teilnahme ist auch online per Voranmeldung möglich.

Weitere Details entnehmen Sie bitte dem Flyer.

Herzliche Einladung nach Fulda bzw. in den virtuellen Raum!
Alessandra Sorbello Staub


1200 Jahre Michaelskirche in Fulda

Theologie und Architektur in einem Netzwerk europäischer Kultur

Die diesjährige Jahrestagung der Gesellschaft wurde vom 21. bis 23. April 2022 von der Fuldaer Bistumsgruppe ausgerichtet. Das Weihejubiläum der altehrwürdigen Michaelskirche bot den Anlass für die Tagung.

Der barocke Bibliothekssaal der Fuldaer Bibliothek, heute Auditorium maximum der Theologischen Fakultät, bot einen imposanten Rahmen für die Vortragsveranstaltungen. Eröffnet wurde die Tagung mit dem öffentlichen Vortrag von Prof. Dr. Marc-Aeilko Aris (München) zur Ideenwelt der karolingischen Kultur mit dem Titel „Architektur und Metapher“, in dem er sich mit der Vielschichtigkeit der Bezeichnung „sapiens architectus“ in biblischen Schriften, deren Exegese und in der Historiographie auseinandersetzte. Aris wurde im Anschluss mit der Ehrengabe der Gesellschaft ausgezeichnet. Die Laudatio hielt der Präsident der Gesellschaft, Prof. Dr. Bernhard Schneider.

In den wissenschaftlichen Vorträgen des zweiten Tages stand zunächst die geistesgeschichtliche Einordnung des Baus der Michaelskirche im Blickpunkt. Dr. Benjamin Pohl zeigte unter dem Titel „locus memoriae – locus historiae: Die Fuldaer Michaelskirche im Zentrum der monastischen Geschichts- und Erinnerungslandschaft“, dass Abt Eigil mit der von ihm initiierten Geschichtsschreibung und Bautätigkeit in Fulda eine Erinnerungslandschaft (memory scape) geschaffen hat, die Erinnerung konkret machte und zum Programm für weitere Generationen werden ließ.

Prof. Michael. I. Allen (Chicago) stellte mit Lupus von Ferrières einen vielfältig vernetzten Gelehrten des frühen 9. Jahrhunderts vor, der in der Zeit Hrabans mehrere Jahre in Fulda weilte und das Paradebeispiel für einen Philologen darstellt, durch den eine Reihe antiker Texte nach Fulda kamen und zwischen Bildungszentren der damaligen Zeit ausgetauscht wurden.

Dr. Gereon Becht-Jördens (Heidelberg) charakterisierte die Michaelskirche als ein Bauwerk ganz aus dem Geist des Hrabanus Maurus und stellte diesen als den Ideengeber für die Kirche vor, die sich als Bausymbolik der Überwindung innerer Konflikte im Kloster erweise.

Dipl. Restauratorin Christine Kenner erläuterte die Baugeschichte der Michaelskirche ausgehend von der karolingischen Zeit mit ihren Veränderungen in späteren Umbauphasen an den jeweiligen Befunden bis zu den letzten Restaurierungen und zeigte auch Bezüge zum Neubau der St. Andreas-Kirche in Fulda-Neuenberg unter Abt Richard (1020–1039) auf.

Über karolingische Architektur im Alpenraum der Schweiz referierte Prof. Dr. Jürg Goll (Müstair) und stellte damit die einzigartige Anlage von Müstair im oberen Vinschgau, die auf das Ende des 8. Jh. zurückgeht, in das Zentrum seiner Betrachtung.

Die Tradition der Anastasisrotunde in Jerusalem und ihre Nachahmung in Europa spielt für die Bewertung der Architektur der Michaelskirche eine wichtige Rolle, wie sowohl der Vortrag von Prof. Dr. Notker Baumann (Fulda/Marburg) als auch die abschließende Diskussion zeigte.

Eine besondere Erfahrung der Michaelskirche und ihrer Atmosphäre bot das abendliche Konzert mit Improvisationen für Percussion und Orgel von Martin Matl und  Christopher Löbens sowie Meditationstexten von Michael Müller.

Die Exkursion führte in die St. Andreas-Kirche nach Fulda-Neuenberg, deren Krypta und ihr Bildprogramm aus dem 11. Jahrhundert die Restauratorin Christine Kenner präsentierte und damit auch Eindrücke vermitteln konnte, wie man sich im 11. Jahrhundert die Ausstattung der Michaelskirche mit Freskenmalerei vorstellen könnte.

Thomas Martin


Einladung zur Jahrestagung 2022 in Fulda

Die Bistumsgruppe Fulda lädt sehr herzlich zur Jahrestagung der Gesellschaft ein. Sie findet vom 21. bis 23. April 2022 in der Theologischen Fakultät Fulda statt.
Sie finden unten das Einladungsschreiben von Herrn Weihbischof Professor Dr. Karlheinz Diez, das Programm inklusive organisatorischer Hinweise sowie das Anmeldeformular. Wenn Sie teilnehmen möchten, senden Sie das ausgefüllte Formular bis spätestens 31.03.2022 an: veranstaltungen@thf-fulda.de oder postalisch an Bibliothek des Priesterseminars Fulda, Domdechanei 4, 36037 Fulda.

Neu erschienen:
Band 145 der Quellen und Abhandlungen 

Katholisch in 75 Jahren Rheinland-Pfalz
Personen, Orte, Ereignisse, Ideen
Hg. von Ulli Roth
391 Seiten, ISBN 978-3-402-26636-6, Preis 29,80 €

„Katholisch in 75 Jahren Rheinland-Pfalz“ bindet zum Landesjubiläum einen bunten Strauß aus 75 Blumen in Form von Kurzartikeln. Aus den Theologischen Fakultäten und Instituten, den Diözesanarchiven, geschichtlichen Forschungsstellen und historischen Vereinen und vielen anderen Akteuren der fünf Diözesen des Landes, Köln, Limburg, Mainz, Speyer und Trier, haben sich Autorinnen und Autoren quer durch das Land zusammengefunden. Sie lassen die letzten 75 Jahre Rheinland-Pfalz unter dem Gesichtspunkt „Katholisch“ bis in die Gegenwart in Schlaglichtern Revue passieren. So heben sie den Reichtum der jüngsten Landesgeschichte hervor, der oftmals über die lokale Bedeutsamkeit in gesamtdeutsche oder globale Relevanz hinausreicht. Dazu beleuchtet der Band Personen, Orte, Ereignisse und Ideen in kurzen Porträts und mit eindrücklichen Bildern. In unserer zunehmend kurzatmiger und disparater werdenden Zeit bedarf es auch des Zuspruchs einer reichen, gemeinsam geteilten Herkunft.

Inhaltsverzeichnis
Leseprobe 1
Leseprobe 2

Erhältlich im Buchhandel oder beim Aschendorff Verlag


Nachruf auf Prof. Dr. Joachim Schmiedl ISch

(18. Dezember 1958 – 10. Dezember 2021)

Die Gesellschaft für mittelrheinische Kirchengeschichte trauert um ihr langjähriges Mitglied und ihr Verwaltungsratsmitglied Prof. Dr. Joachim Schmiedl ISch.

Joachim Schmiedl trat 1977 in das Institut der Schönstatt-Patres ein und studierte nach dem Noviziat von 1980 bis 1987 an der Westfälischen-Wilhelms-Universität Theologie. Er wurde dort 1988 mit einer von Prof. Dr. Arnold Angenendt betreuten Dissertation über Marianische Religiosität in Aachen im 19. Jahrhundert promoviert. Im selben Jahr empfing er die Priesterweihe und war bis 1998 an verschiedenen Orten in der Seelsorge tätig. Parallel nahm er ein 1998 abgeschlossenes Habilitationsprojekt auf, mit dem er zur weitreichenden Bedeutung des II. Vatikanischen Konzils für die Orden forschte.

Als akademischer Lehrer wirkte Joachim Schmiedl seit 1998 an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar. Zunächst nahm er einen Lehrauftrag wahr und hatte ab 2001 dort die Professur für Mittlere und Jüngere Kirchengeschichte inne. Seiner Hochschule diente er auch als Dekan und Studiendekan der Theologischen Fakultät. Von 2017 bis 2020 war er Vorsitzender des Katholisch-Theologischen Fakultätentages. In der akademischen Welt sorgten von Schmiedl angeregte und geleitete ambitionierte Forschungsprojekte und eine Fülle von Publikationen vornehmlich zur Kirchengeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts für höchste Anerkennung und Wertschätzung. Er war weltweit in der Forschungsgemeinschaft hervorragend vernetzt und bei Tagungen und sonstigen Veranstaltungen ein viel beachteter Experte. Mit seinen Projekten zur Konzilsrezeption, zur Gemeinsamen Synode der Bistümer Deutschlands und zu den europäischen Synoden seit dem II. Vatikanischen Konzil sowie zahlreichen einzelnen Forschungsbeiträgen gab er vielfältige Anstöße für die aktuellen Bemühungen, um eine Erneuerung der Kirche. Seine Stimme und fundierten Argumente hatten entsprechend Gewicht bei dem von den deutschen Bischöfen initiierten Gesprächsprozess ebenso bei den Beratungen der Trierer Diözesansynode oder aktuell bei denen des Synodalen Wegs.

Seine schier unerschöpfliche Schaffenskraft stellte er seiner Gemeinschaft und dem Bistum Trier auch für einige Seligsprechungsverfahren zur Verfügung. Seit 1997 arbeitete er an der Vorbereitung des Seligsprechungsprozesses für Josef Kentenich mit, seit 2003 war er Vizepostulator im Seligsprechungsprozess für Josef Engling sowie Leiter der Historischen Kommission im Seligsprechungsprozess für Franz Reinisch. Außerdem war er von 1998 bis 2001 Generalsekretär der Schönstatt-Patres.

Gesellschaft für mittelrheinische Kirchengeschichte

Mit seiner Tätigkeit in Vallendar stand dem gebürtigen Franken auch der mittelrheinische Raum mit seinem reichen kirchlichen Erbe vor Augen. Über Jahrzehnte war er Mitglied in unserer Gesellschaft und seit 2009 Herausgeber der Quellen und Abhandlungen zur mittelrheinischen Kirchengeschichte. In dieser Eigenschaft gehörte er auch dem Verwaltungsrat an und hat auch dort seine Erfahrungen, sein kluges Urteil und seine vielfältigen Kontakte fruchtbar gemacht. In der Zeit seiner Herausgeberschaft hat er fast 20 Bände dieser Schriftenreihe verantwortungsvoll betreut und bis zum Erscheinen begleitet. Bis zuletzt stand er mit Autoren und Autorinnen im Kontakt, um weitere Bände zur Veröffentlichung zu führen. 2014 hat Prof. Schmiedl für unsere Gesellschaft in Kooperation mit der Akademie des Bistums Mainz eine wichtige Tagung zum Gedenken an das Zweite Vatikanische Konzil organisiert und so wesentlich dazu beigetragen, eine Forschungslücke zu schließen. Die Ergebnisse hat er umgehend als Band 137 der Quellen und Abhandlungen unter dem Titel „Der Tiber fließt in den Rhein. Das Zweite Vatikanische Konzil in den mittelrheinischen Bistümern“ schon im Folgejahr publiziert.

Mit Joachim Schmiedl verliert unsere Gesellschaft eine herausragende Persönlichkeit, die uns mit ihrer Tatkraft und wertvollen Impulsen schmerzlich fehlen wird. Wir werden ihn als liebenswürdigen, humorvollen Menschen vermissen und sind mit seiner Familie und der Gemeinschaft der Schönstatt-Patres in Trauer und Gebet verbunden. Bei der nächsten Jahrestagung werden wir seiner besonders gedenken.

Bernhard Schneider, Präsident der Gesellschaft für mittelrheinische Kirchengeschichte

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