Neuer Band in der Reihe Quellen und Abhandlungen erschienen:

Mathias Miedreich
Die Benediktinerabtei Sankt Jakob bei Mainz
Ein Kloster der Bursfelder Kongregation zwischen Westfälischem Frieden und Siebenjährigem Krieg.
gebunden, 606 Seiten.

Rund 750 Jahre thronte das Mainzer Jakobskloster auf einer Anhöhe vor den Toren der alten Bischofsstadt. Zunächst weitgehend frei auf dem „Schönen Berg“ liegend, wurde die 1050 von Erzbischof Bardo initiierte und 1051 von seinem Nachfolger Liudolf gegründete Benediktinerabtei besonders in der Barockzeit zunehmend von Verteidigungsanlagen umbaut. Die Benediktiner lebten seit dem 17. Jahrhundert innerhalb der so entstandenen Zitadelle und passten ihr mönchisches Leben behutsam den neuen Herausforderungen an. Dies bescherte dem Kloster auf dem Mainzer Jakobsberg nach einer Phase des Niedergangs im Dreißigjährigen Krieg nach 1650 allmählich eine neue Blüte, die sich erst nach der Mitte des 18. Jahrhunderts in der Aufklärungszeit abschwächte. Der Autor beleuchtet in seiner Studie umfassend und anschaulich das Leben der Benediktiner von St. Jakob im Barockzeitalter und gibt zugleich einen Überblick über die Gesamtgeschichte der Abtei bis zu ihrer Auflösung durch Napoleon im Jahr 1802. Er schildert die Beziehungen der Jakobsberger Klostergemeinschaft zur Stadt Mainz und ihren Bürgern, zum Umland und den klösterlichen Außenstellen sowie zum Mainzer Kurstaat und Erzbistum mit dem Kurfürsten an der Spitze. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Engagement des Klosters und seiner Äbte für den Bursfelder Klosterverband, dem es seit dessen Frühphase im Spätmittelalter angehörte und auf dem innerklösterlichen Mönchsleben mit seiner Geistigkeit und seinen Krisen. Das Register und ein Katalog von Kurzbiographien der Mönche zwischen 1648 und 1756 machen das Werk darüber hinaus zu einer Fundgrube für die Ordens- und Regionalgeschichte.

 

Leider abgesagt!

Brief des Präsidenten an die Mitglieder der GmrhKG zur Absage der Jahrestagung 16. bis 19. April 2020

 

EINLADUNG

zur 72. Jahrestagung der Gesellschaft für mittelrheinische Kirchengeschichte vom 16. bis 18. April 2020 im Wilhelm-Kempf-Haus, Wiesbaden-Naurod und Frankfurt

800 Jahre Kirche Sankt Leonhard
Ein Wahrzeichen Frankfurts im Wandel der Zeit

PROGRAMM


Der neue Band Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte 71 (2019) ist erschienen und wird zur Zeit an die Mitglieder versandt.

Im neuen farbenfrohen Design ist er erstmals beim Aschendorff Verlag verlegt worden und zukünftig auch als E-Book zu beziehen.

Inhaltsverzeichnis


Ein Bestseller und sein Autor

Ein spannender Studientag zu Leonhard Goffiné (1648–1719) öffnet den Blick für Literatur, Katechese und Kultur des Barockkatholizismus

Welcher Autor träumt nicht davon, sein Buch würde ein rascher Erfolg? Kaum ein Theologe aber wagt auch nur einen Gedanken daran, sein theologisches Hauptwerk erreichte Hunderte von Auflagen über drei Jahrhunderte hinweg und eine Auflage von mehreren Hunderttausend Exemplaren. Genau das aber war das Schicksal von Leonhard Goffinés Bestseller „Hand-Postill Oder Christ-Catholisches Unterrichtungs-Buch Von allen Sonn- und Feyrtagen des gantzen Jahrs“. 1690 in Mainz erstmals publiziert, reichten seine Neuauflagen bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts. Neben dem deutschen Original kamen Übersetzungen in 13 Sprachen heraus.

Das sind nur ein paar Fakten, die erklären, warum sich am 16. November rund 40 Menschen unserer Tage im Haus am Dom versammelten, um auf Einladung der Akademie des Bistums Mainz (Erbacher Hof), der Gesellschaft für mittelrheinische Kirchengeschichte, der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und der Arbeitsgemeinschaft Praemonstratensia des vor 300 Jahren verstorbenen Prämonstratensers Leonhard Goffiné zu gedenken. Sein Name war lange Zeit Programm, sprach man doch bis in die jüngste Vergangenheit schlicht von „dem Goffiné“ und meinte die Hand-Postille als Hausbuch zahlloser katholischer Familien.

Entwarf Prof. em. Dr. Dr. Peter Claus Hartmann (München) ein reiches Panorama des Barockkatholizismus im deutschen Raum, das gerade auch das Wirken der Orden im süddeutschen Raum für Bildung und Kunst hervorhob, so stellte Prof. Dr. Johannes Meier (Mainz) den Ordensmann und Priester, den Seelsorger und erfolgreichen geistlichen Schriftsteller vor. Gebildet und doch bodenständig, glaubensfester Katholik und doch kein eifernder Zelot, wirkte er an verschiedenen Orten des Rheinlandes, des Hunsrücks und Westfalens unter teils schwierigsten Umständen und fand dabei trotz aller Widrigkeiten Zeit, ein reiches geistliches Schrifttum zu verfassen, nicht zuletzt seine Hand-Postille.

Dr. Mona Garloff (Stuttgart/Wien) gab Einblicke in ihre aktuellen Forschungen zu Großauflagen katholischer geistlicher Literatur des 17. / 18. Jahrhundert und beschrieb überzeugend, wie aus der Hand-Postille tatsächlich ein Bestseller wurde, von dem wohl schon im 17. und 18. Jahrhundert bis zu 50.000 Exemplare an rund einem Dutzend Orten gedruckt wurden. Die „wilden“ Umstände des barocken Verlagswesens mit der gängigen Praxis von unautorisierten „Raubdrucken“ und falschen Druckorten stellte sie einem staunenden Publikum eindrucksvoll vor Augen.

Prof. Dr. Werner Simon (Mainz) führte anhand von drei ausgewählten Beispielen in die Welt der seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts entstehenden Kinder-Postillen und Lehrpredigten für Kinder ein. Sie waren Mittel einer neuartigen Kinderpastoral und einer bewusst auf die Bibel gestützten Glaubensunterweisung, was geeignet ist, das Bild eines bibelfernen Katholizismus merklich zu relativieren. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts fand diese Form der Bibelkatechese verstärkt Eingang in die Schulen (samstägliche Perikopenstunde).

Prof. Dr. Jürgen Bärsch (Eichstätt-Ingolstadt) arbeitete aus Goffinés Hand-Postille dessen Blick auf die Situation des gottesdienstlichen Lebens in seiner Zeit anschaulich heraus. Er war geprägt von harscher Kritik am fehlenden Kenntnisstand und einem unangemessenen Verhalten der Pfarrangehörigen, was – nach Goffinés Meinung – deren Seelenheil gefährde. Theologisch wenig originell, sondern in Vielem der mittelalterlichen Tradition verhaftet, betrieb der Autor der Hand-Postille eine eingängige Liturgiekatechese, um die Gläubigen zu einem würdigen Verhalten und tieferen Verständnis der liturgischen Feiern zu verhelfen – alles mit dem Ziel, deren Seelenheil zu fördern und das Ansehen der katholischen Kirche gerade gegenüber den Protestanten zu mehren.

In einer von Hungersnöten und allgegenwärtiger Armut gekennzeichneten Zeit forderte Leonhard Goffiné zu guten Werken der Barmherzigkeit als Ausdruck christlicher Nächstenliebe auf. Er mahnte dabei, wie Prof. Dr. Bernhard Schneider (Trier) erläuterte, die Reichen in einer förmlichen Reichenparänese zum richtigen Umgang mit Geld und Besitz auf und scheute nicht davor zurück, die Laster dieser Gruppe mit klaren Worten zu benennen. Den Armen aber versuchte er Trost aus dem Glauben und eine aus ihm resultierende Hoffnungsperspektive aufzuzeigen. Beides war allerdings entschieden auf das Jenseits und den himmlischen Lohn ausgerichtet. Für die praktische Dimension der Armenfürsorge zeigte er kaum Interesse, sondern beließ es beim Appell zum großherzigen Almosengeben.

Im Anschluss an die Vorträge feierten die Teilnehmer/-innen gemeinsam mit Generalabt em. Thomas Handgrätinger (OPraem) die Eucharistie. In seiner Predigt am Vorabend des Welttags der Armen schlug Abt Thomas den Bogen von Leben und Wirken Goffinés zur Realität unserer Tage mit ihren sehr unterschiedlichen Nöten und Herausforderungen.

Eine kleine Ausstellung der Martinusbibliothek Mainz zeigte den Anwesenden eine ansprechende Auswahl aus der Fülle der Ausgaben von Goffinés Handpostille.

Bernhard Schneider, Trier
(Fotos: Benedikt Winkel, Eichstätt)

 

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